Let’s Look at the Science (16) – TROCKENE AUSSICHTEN

mit Prof. Niko Froitzheim

Wird Luft um 1 °Celsius erwärmt – wie bei der globalen Erwärmung seit Mitte des letzten Jahrhunderts – kann sie 7 % mehr Wasserdampf (unsichtbares, gasförmiges Wasser) aufnehmen. Damit die Luft nachher die gleiche relative Luftfeuchtigkeit hat wie vorher, muss diese Menge Wasser vom Boden, aus Gewässern und vor allem aus dem Meer verdunsten. Das tut sie aber im globalen Maßstab nicht. Das ist das Problem.

Die Grafik* zeigt oben die Entwicklung der spezifischen Luftfeuchtigkeit (Gramm Wasserdampf pro kg Luft) seit 1975 – die grüne Linie für Land, blau für Meer, schwarz für beides kombiniert, dazu die Unsicherheitsbereiche schattiert. Weil die Luft wärmer geworden ist, hat sie mehr Wasserdampf aufgenommen. Aber nicht genug, um ihren gestiegenen Durst zu stillen. Deshalb hat, wie die untere Kurve zeigt, die relative Luftfeuchtigkeit global abgenommen. Mit gravierenden Konsequenzen: Je niedriger die relative Luftfeuchtigkeit ist, desto mehr Wasser zieht die Luft aus den Pflanzen. Die Dürre und das Waldsterben der letzten drei Sommer in Mitteleuropa mögen mit regionalen Wetterphänomenen zu tun haben – sie könnten aber auch einfach eine Folge dieses elementaren Zusammenhanges sein. Jedenfalls werden wir in Zukunft mehr und schlimmere Dürren dieser Art erleben. Mit jedem Zehntelgrad weiterer Erwärmung wird die relative Luftfeuchtigkeit global weiter abnehmen. Dieses „atmospheric drying“ wird unter anderem zu geringeren Getreideerträgen und kleinwüchsigeren Bäumen führen, wie eine neue Studie** zeigt. Damit wird auch die Chance immer geringer, CO2 aus der Luft in zusätzlicher Vegetation zu speichern.

Quellen:
*Met Office climate dashboard https://www.metoffice.gov.uk/hadobs/monitoring/dashboard.html
**Lopez, J. et al. (2021): Systemic effects of rising atmospheric vapor pressure deficit on plant physiology and productivity. Global Change Biology.
https://onlinelibrary.wiley.com/doi/full/10.1111/gcb.15548